Zwirn wachsen und entwachsen – eine Art Tutorial

Ich dachte, ich erzeuge mal ein Mini-Tutorial auf deutsch über das Wachsen von Zwirn zum Buchbinden – bzw. auch das Entwachsen, wenn man das so nennen kann. Wer lieber meine Stimme hört, kann sich das Video anschauen. Für alle die gerne lesen, hier auch in Textform:

Viele Buchbinder benutzen gerne gewachsten Leinenzwirn zum Heften. Leinenzwirn ist stark und reißfest, und altert ähnlich wie Papier. Wenn das Papier schwächer wird, soll das auch der Faden tun, sonst zerreißt er das Papier. Ganz verhindern kann man das kaum, aber man versucht halt möglichst nahe heranzukommen. (Das ist jedenfalls auch der Grund, weshalb Restauratoren oft nicht 3-fach sondern nur 2fach oder gar 1-fach Zwirn verwenden: Der ist weniger reißfest, und sie haben ja auch mit bereits brüchigerem Papier zu tun.) Beim Heften wird der Zwirn immer wieder durch schmale Löcher im Papier gezogen. Damit er dabei nicht ausfranst, wird er ein wenig gewachst. Dann gleitet er besser durch die Löcher, und das hat außerdem den Vorteil, dass Knoten in dem nun leicht klebrigen Faden besser halten.

Der Zwirn, den ich selbst am liebsten benutze, hat durch kalendern eine so glatte Oberfläche, dass er kaum ausfranst, und so kann man ihn gut auch ungewachst benutzen. Das hat außerdem den Vorteil, dass er nicht so Staub anzieht, und so Bindungen mit sichtbarer Bindung nicht so schnell dreckig und unansehlich werden. Trotzdem wachse ich auch wenn ich diesen Faden benutze, die Teile, in die ich Knoten machen will. – Aus besagtem Grund, weil der Faden durch das Wachs ein wenig klebrig wird und  so die Knoten besser halten.

Man wachst den Faden, indem man ihn über ein Stück Bienenwachs zieht. Wenn man dabei zu langsam ist, streift man mit dem Faden nur ein wenig Wachs ab, das dann als weißlicher Belag auf dem Faden sitzt. Das sieht nicht sehr schön aus und bröckelt ab, wenn man den Faden benutzen will. Was man eigentlich erreichen möchte ist, dass das Wachs ein wenig in den Faden hineinschmilzt, und das erreicht man durch Geschwindigkeit: Zieh’ den Faden so schnell du kannst, etwa 4 Mal über das Stück Wachs. Dann zieht man den Faden nochmal durch die Finger. Dabei streift man Reste ab, die evtl. noch auf der Oberfläche sitzen und spürt auch wo vielleicht noch Stellen übrig sind, an denen Wachs fehlt. Dann geht man da eben nochmal drüber.

Wenn man bereits gewachsten Faden kauft, ist der oft sehr stark gewachst, stärker, als man eigentlich möchte. Der Faden ist so zu steif und auch zu klebrig, um gut verwendbar zu sein. Bevor man diesen benutzt, sollte man überschüssiges Wachs gründlich zwischen einem Fingernagel und einer Fingerkuppe abstreifen. Dabei ab und zu den Faden drehen, damit das Wachs von allen Seiten abgestriffen wird. Idealerweise soll nur das Wachs übrig bleiben, das in den Zwirn hineingeschmolzen ist, und nicht zu viel auf der Oberfläche.

Ich hoffe, das hilft. – Viel Freude beim Buchbinden euch allen!

 

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